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Die Gründung des Pfälzischen Schachbundes

Im Oktober 1921 richteten der Schachclub Ludwigshafen und der Schachclub Frankenthal ein Rundschreiben an alle pfälzischen Schachfreunde. Aus den Unterlagen geht nicht hervor, an welche Schachfreunde, bzw. an welche Schachvereine, dieses Schreiben zum Versand kam. Man wird jedoch davon ausgehen dürfen, daß vor allem die zu diesem Zeitpunkt bereits bestehenden Schachvereine in der Pfalz angeschrieben worden sind.


 

Rundschreiben Oktober 1921
An alle pfälzischen Schachfreunde !
In den letzten Jahren hat sich die Schar der Anhänger und Freund des Schachspiels in erfreulichem Maße vergröseert. Auch in der Pfalz sind bereits an vielen Orten Schachvereine entstanden, mit teilweise recht ansehnlichem Nitgliederstande. Um nun dem Schachspiel in der Pfalz weitere Wege zur Ausdehnung au bahnen, wäre es unbedingt ertorderlloh,die bestehenden Vereins zu einem Pfäzischen Schachbund ausammenzuschlißen. Die Gründung wäre umso zwechmäßig als für die Pfalz der Anschluss an den Bayer. Schachbund oder an den Oberrheinschachbund wegen der ungünstigen Lage der Pfalz keine Vorteile bringen kann. Wir gestatten uns daher,an sämtliche Pfälzischen Schachfreunde
Einladung zur Gründung des Pfälzischen Schachbundes ergehen zu lassen.
Falls der Gedanke des Zusammenschlusses auch Ihre Zustimmuag findet, so bitten wir die endstehend angeführten Richtlininien zu prüfen und uns recht bald ihre etwaigen Gegenvorschläge bekanntzugeben. Als Ort der Gründungsversammlung schlagen wir Neustadt a.H.oder Ludwigshafen a.Rh.vor. Eine Vorbereitung könnte wohl noch in diesem Jahre stattfinden.

Mit Schachgruß
Schachklub Ludwigshafen Schachklub Frankenthal

Richtlinien: Zweck des Pfälzischen Schachbundes ist die Pflege den Schachspiels nach den Grundsätzen des Deutschen Schachbundes. In noch zu bestimmenden Zeiträumen werden Kongresse abgehalten verbunden mit Schachturniren, wobei die die Pfalzmeisterschaften sowohl für Vereine als Einzelspieler ausgespielt werden.
Der Pfälzische Schachbund tritt dem Deutschen Schachbund als Landesverbant bei.
Die angeschlossenen Vereins zahlen pro Mitglled einen noch festzusetzenden Bundesbeitrag.
Für die Bildung der Satzungen-wird in der Vorbesprechung ein Ausschuss gebildet. Als Satzungsunterlage dienen die des Deutschen Schachbundes.


 

Dieses Rundschreiben muß auf positive Resonanz gestoßen sein. Hans Erich Heckner aus Frankenthal konnte nämlich mit einem weiteren Schreiben vom 03.11.1921 mitteilen: "Unsere Anregung zur Gründung eines Pfälzischen Schachbundes hat uns von allen größeren Schach¬clubs der Pfalz zustimmende Zuschriften gebracht."
Er lud sodann zu einer Gründungsversammlung für Sonntag, den 20.11.1921, nachmittags 14.00 Uhr nach Neustadt an der Haardt "Cafe Zentral" ein. Da das "Cafe Zentral" nicht zur Verfügung stand, mußte kurzfristig in das Nebenzimmer des Deutschen Hauses, Neptunplatz 2, umgeladen werden. Dann aber stand der Gründung des Pfälzischen Schachbundes nichts mehr im Wege. Die Schachvereine aus Frankenthal, Ludwigshafen, Rheingönheim, Mundenheim, Neustadt, Mutterstadt, Landau, Speyer, Oggersheim, Kaiserslautern und Otterbach gründeten den Pfälzischen Schachbund und wählten den Vorsitzenden des Schachclubs Neustadt, Studienpro¬fesser Dr. Roman Reiser, zum 1. Vorsitzenden. Auch der Saarländische Schachclub St. Ingbert erklärte durch Telegramm seinen Beitritt, um dann aber in den Archivunterlagen nicht mehr zu erscheinen.
Interessant am Rande: Dem Pfälzischen Schachbund konnten auch Einzelpersonen als Gönner beitreten. Heute würde man wohl von fördernden Mitgliedern sprechen. Auch die Einzelmitglied¬schaft war möglich.
Lassen wir das Gründungsprotokoll für sich sprechen:

Protokoll der Gründungsversammlung des Pfälzischen Schachbundes
am 20. November 1921 im "Deutschen Haus", Neustadt a/Haardt
Am 21 November 1921 versammelten sich im deutschen Haus in Neustadt an der Haardt, auf Einladung des Schachklubs Ludwigshafen und Schachklub Frankenthal e. V. die Vertreter folgender pfälzischen Schachvereine:
1. Schachklub Frankenthal
2. Schachklub Landau
3. Schachklub Ludwigshafen
4. Schachklub Speyer
5. Schachklub Rheingönheim "
6. Schachklub Oggersheim
7. Schachklub Mundenheim
8. Schachverein Kaiserslautern
9. Schachklub Neustadt
10. Schachklub Otterbach
11. Schachverein Mutterstadt

um einen Pfälzischen Schachbund zu gründen, welcher sich die Pflege des Schachspiels als Auf¬gabe stellt.
Der Vorsitzende des Schachklubs Neustadt, Herr Professor Reiser eröffnete 2 112 Uhr Nachmittags die Versammlung und wünschte einen erfolgreichen Verlauf der Tagung.
Nach ihm ergriff Herr Herrmann R6mmig, Ludwigshafen, das Wort. Er betonte die Wichtigkeit der Gründung eines Pfälzischen Schachbundes und bemerkte ausserdem, daR ein AnschluR an den Deutschen Schachbund das Zweckmässigste sei, da ein Anschluß an einen Landesverband, z.8. den Oberrheinischen oder den Bayrischen Schachbund für uns keinerlei Vorteile haben könne. Nachdem Herr Friedrich Hauck, Landau, und Herr Dr. Thoenes, Speyer, den AnschluR an den Bayr. Schachbund, schon wegen der politischen Angehörigkeit der Pfalz zu Bayern, befürworteten, schlugen die Herren Prof Reiser und Wilhelm Eser, Ludwigshafen, vor, es jedem Verein frei¬zustellen, welchem Spitzenverband er sich anschließen will. Dieser Vorschlag wurde angenommen.
Herr Wilhelm Eser erklärte nunmehr den Pfälzischen Schachbund mit dem Sitze in Neustadt an der Haardt für gegründet und bat, zur Wahl des Vorstandes zu schreiten.

Einstimmig wurden gewählt zum:

Amt
Name
Verein
1. Vorsitzenden
2. Vorsitzenden
Schriftführer
Kassenwart
Schachwart
Beisitzer
Beisitzer
Herr Prof. R. Reiser
Herr Wilhelm Eser
Herr Hans Erich Heckner
Herr Heinrich Wetzler
Herr K. Barz
Herr Dr. Thoenes
Herr Benno Kohlmann
Neustadt a/Haardt
Ludwigshafen am Rhein
Frankenthal/Pfalz
Rheingönheim
Neustadt a/Haardt
Speyer
Kaiserslautem


Zur Ausarbeitung der Satzungen wurden die Herren H. Rdmmig, Wilh. Eser und H.H. Heckner bestimmt.

Der Beitrag wurde auf Vorschlag des Herrn Dr. Thoenes auf 1,50 pro Mitglied und Jahr festgesetzt, der Beitrag fOr einzelmitglieder betragt 10,00 jährlich, für Gönner 20,00 jährlich oder 200,00 einmalige Zahlung.
Zur Erleichterung des Geldverkehrs wurde auf Antrag des Schatzmeisters beschlossen, beim Postscheckamt Ludwigshafen ein Postscheck-Konto eröffnen zu lassen und Herr Wetzler mit der Erledigung dieser Angelegenheit betraut.
Als Ort der nächsten Tagung wurde Ludwigshafen in Aussicht genommen: der Zeitpunkt wurde dem Schachklub Ludwigshafen zu bestimmen überlassen.

Auch die heimische Presse berichtete über diesen Gründungsakt, so z.B. der Stadt- und Dorfanzeiger für Neustadt an der Haardt in seiner Ausgabe vom 03.12.1921.
Wir erfahren aus diesem Artikel u.a., daß die Ausrichtung des 1. Schachkongresses in Ludwigshafen durch namhafte Beträge des Ludwigshafener Schachklubs und zahlreicher Schachfreunde gesichert wurden.
Der Artikelverfasser setzt fort: "Zum ersten Male werden wir das interessante Vergnügen haben, den Kampf um die Schachmeisterschaft der Pfalz zum Austrage gebracht zu sehen. Der Schachbund wird sicher neues Leben in die Schachwelt der Pfalz und Saarpfalz bringen und durch diese Sammlung aller Schachfreunde wird das deutsche Schachspiel nur gewinnen. Es ist zu erwarten, daß dereinst die Schachmeister der Pfalz auch außerhalb der Heimat im Kampf mit anderen Meistern auf dem unblutigen Turnierfelde mit Ehren hervorgehen werden."